Monday, 12 October 2015

Written by Rainer: rainer.lehrer@yahoo.com
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Technik und Sprache

Die Technik kann alles, sie wird uns bald ersetzen, sie wird uns bald beherrschen. Spielfilme, Artikel in den Medien und Leute auf der Straße beschäftigen sich mit diesem Thema.
Es ist richtig, dass die Technik unser Leben beeinflusst, es vor allem älteren und ärmeren Leuten immer schwieriger wird, sich den Veränderungen anzupassen. Ohne langjähriges Lernen ist eine normale Teilnahme am täglichen Leben unserer Gesellschaft nicht mehr möglich. Die Kluft zwischen denen, die sich zurechtfinden, und jenen, die auf der Strecke bleiben, gestaltet sich immer dramatischer.
Auf der anderen Seite vereinfacht sie unser Leben, hilft uns und im Fall der Medizin verlängert sie unser Leben. Sie macht uns aber teilweise auch faul. Wie bequem ist es, vor dem Fernseher zu sitzen, die Fertigpizza aus der Tiefkühltruhe zu nehmen und in den Mikrowellenherd zu schieben. Bald werden wir nicht einmal mehr aufstehen müssen, weil auf Knopfdruck „Pizza“ ein Roboter auch dies noch erledigt. Es wird überflüssig, monotone und langweilige Routinearbeiten zu verrichten.
Warum beklagen wir dies eigentlich? Es sollte uns freuen. Endlich bleibt Zeit und Energie für das, was den Menschen ausmacht, was ihn von allem anderen unterscheidet. In der Natur entsteht, was zufällig zusammenkommt, Technik erledigt Dinge, für die wir sie geschaffen haben. Nur der Mensch ist fähig, kreativ zu denken, Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Gott sollte nichts Anderes als der schaffende Mensch sein.
Trotzdem sind wir nicht fähig, uns selbst zu ersetzen, eine Maschine zu entwickeln, die uns gänzlich überflüssig macht. Und so sieht es auch mit den Sprachen aus, die wir zu unserer Verständigung entwickelt haben. Sie können immer nur Teilgebiete unserer Gedanken abdecken, oder nur unvollständig weitergeben. Zu viel ist hineingedacht und interpretiert, oder kann nicht mit Metern, Litern usw. angegeben werden.
Für Maschinerie haben wir Naturwissenschaften entwickelt, die aber den Sprachen an Ideenreichtum und Vorstellungskraft, manchmal auch an wahnsinnigen Hirngespinsten hinterherhinken.
Die komplizierteste aber reichste Stufe ist unser Denken. Wenn wir dieses in Sprache umsetzen, geht dabei ein Teil verloren. Der dritte Schritt ist die Umsetzung jenes in Technik, wobei wieder etwas wegbleibt.
Und darin liegt auch der große Unterschied zwischen Naturwissenschaften und Sprachen. Während die einen sich genau nach Regeln und Berechnungen richten müssen, können letztere sich mit einer ungenauen, übertriebenen oder unvollständigen Beschreibung zufriedengeben. Zudem werden erstere von wenigen Köpfen erdacht und an andere weitergegeben, wogegen Sprachen durch allgemeinen Gebrauch langsam entstehen.
Nun gibt es ungenaue, oder gar falsche Elemente in Naturwissenschaften, die dann später korrigiert werden müssen. Und auf dieselbe Weise verirren sich von einigen Köpfen ausgedachte, grammatikalische Konstruktionen in die Sprache, die später wegen ihrer Kompliziertheit entweder gar nicht in Gebrauch kommen und dann nur in der Literatur fortleben, oder nur eine Zeitlang gelehrt werden, bevor sie von der sprachlichen Evolution wieder teilweise oder ganz ausgeschieden werden. Wörter verändern ihren Sinn, ihre Bedeutung, Anwendung und Aussprache durch täglichen Gebrauch, die geographische oder gesellschaftliche Abgeschlossenheit verschiedener Menschengruppen führt zu Mundarten, die sich bis zur Entstehung von neuen Sprachen weiterentwickeln können.
Bereits die ersten Versuche, zwischen Sprachen zu vermitteln, also bei Wörterbüchern, gab es Schwierigkeiten grundsätzliche Begriffe, wie zum Beispiel „Tisch“, zu bestimmen. Einmal hat dieses Ding ein Bein, dann 2, 3, 4 oder viele mehr davon, in bestimmten Ländern liegt er einfach auf dem Boden. Aber wenn wir Glück haben, stellt man etwas darauf.
Heute entstehen noch viel gewagtere Projekte, nämlich Übersetzerprogramme. Viele hegten die Hoffnung, vom Sprachenlernen verschont zu bleiben. Und bis zu einer Grundstufe von „Ich möchte einen Kaffee.“, funktioniert das auch. Aber eine Sprache ist keine Naturwissenschaft. Manchmal übertrifft sie diese, ein andermal hinkt sie dieser hinterher und ist vor allem mathematisch nicht definierbar.
Deshalb kann ich zum weiteren Sprachenlernen nur ermuntern, weil auch Maschinen nur vom Menschen geschaffen werden, aber unsere Einbildungskraft nie werden einholen können.

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