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Technik und Sprache
Die Technik kann alles, sie wird uns bald ersetzen, sie
wird uns bald beherrschen. Spielfilme, Artikel in den Medien und Leute auf
der Straße beschäftigen sich mit diesem Thema.
Es ist richtig, dass die Technik unser Leben beeinflusst,
es vor allem älteren und ärmeren Leuten immer schwieriger wird, sich den
Veränderungen anzupassen. Ohne langjähriges Lernen ist eine normale Teilnahme
am täglichen Leben unserer Gesellschaft nicht mehr möglich. Die Kluft
zwischen denen, die sich zurechtfinden, und jenen, die auf der Strecke
bleiben, gestaltet sich immer dramatischer.
Auf der anderen Seite vereinfacht sie unser Leben, hilft
uns und im Fall der Medizin verlängert sie unser Leben. Sie macht uns aber
teilweise auch faul. Wie bequem ist es, vor dem Fernseher zu sitzen, die
Fertigpizza aus der Tiefkühltruhe zu nehmen und in den Mikrowellenherd zu
schieben. Bald werden wir nicht einmal mehr aufstehen müssen, weil auf
Knopfdruck „Pizza“ ein Roboter auch dies noch erledigt. Es wird überflüssig,
monotone und langweilige Routinearbeiten zu verrichten.
Warum beklagen wir dies eigentlich? Es sollte uns freuen.
Endlich bleibt Zeit und Energie für das, was den Menschen ausmacht, was ihn
von allem anderen unterscheidet. In der Natur entsteht, was zufällig
zusammenkommt, Technik erledigt Dinge, für die wir sie geschaffen haben. Nur
der Mensch ist fähig, kreativ zu denken, Ideen in die Wirklichkeit
umzusetzen. Gott sollte nichts Anderes als der schaffende Mensch sein.
Trotzdem sind wir nicht fähig, uns selbst zu ersetzen,
eine Maschine zu entwickeln, die uns gänzlich überflüssig macht. Und so sieht
es auch mit den Sprachen aus, die wir zu unserer Verständigung entwickelt
haben. Sie können immer nur Teilgebiete unserer Gedanken abdecken, oder nur
unvollständig weitergeben. Zu viel ist hineingedacht und interpretiert, oder
kann nicht mit Metern, Litern usw. angegeben werden.
Für Maschinerie haben wir Naturwissenschaften entwickelt,
die aber den Sprachen an Ideenreichtum und Vorstellungskraft, manchmal auch
an wahnsinnigen Hirngespinsten hinterherhinken.
Die komplizierteste aber reichste Stufe ist unser Denken.
Wenn wir dieses in Sprache umsetzen, geht dabei ein Teil verloren. Der dritte
Schritt ist die Umsetzung jenes in Technik, wobei wieder etwas wegbleibt.
Und darin liegt auch der große Unterschied zwischen
Naturwissenschaften und Sprachen. Während die einen sich genau nach Regeln
und Berechnungen richten müssen, können letztere sich mit einer ungenauen,
übertriebenen oder unvollständigen Beschreibung zufriedengeben. Zudem werden
erstere von wenigen Köpfen erdacht und an andere weitergegeben, wogegen
Sprachen durch allgemeinen Gebrauch langsam entstehen.
Nun gibt es ungenaue, oder gar falsche Elemente in
Naturwissenschaften, die dann später korrigiert werden müssen. Und auf
dieselbe Weise verirren sich von einigen Köpfen ausgedachte, grammatikalische
Konstruktionen in die Sprache, die später wegen ihrer Kompliziertheit
entweder gar nicht in Gebrauch kommen und dann nur in der Literatur
fortleben, oder nur eine Zeitlang gelehrt werden, bevor sie von der
sprachlichen Evolution wieder teilweise oder ganz ausgeschieden werden. Wörter
verändern ihren Sinn, ihre Bedeutung, Anwendung und Aussprache durch
täglichen Gebrauch, die geographische oder gesellschaftliche
Abgeschlossenheit verschiedener Menschengruppen führt zu Mundarten, die sich
bis zur Entstehung von neuen Sprachen weiterentwickeln können.
Bereits die ersten Versuche, zwischen Sprachen zu
vermitteln, also bei Wörterbüchern, gab es Schwierigkeiten grundsätzliche
Begriffe, wie zum Beispiel „Tisch“, zu bestimmen. Einmal hat dieses Ding ein
Bein, dann 2, 3, 4 oder viele mehr davon, in bestimmten Ländern liegt er
einfach auf dem Boden. Aber wenn wir Glück haben, stellt man etwas darauf.
Heute entstehen noch viel gewagtere Projekte, nämlich
Übersetzerprogramme. Viele hegten die Hoffnung, vom Sprachenlernen verschont
zu bleiben. Und bis zu einer Grundstufe von „Ich möchte einen Kaffee.“,
funktioniert das auch. Aber eine Sprache ist keine Naturwissenschaft.
Manchmal übertrifft sie diese, ein andermal hinkt sie dieser hinterher und
ist vor allem mathematisch nicht definierbar.
Deshalb kann ich zum weiteren Sprachenlernen nur
ermuntern, weil auch Maschinen nur vom Menschen geschaffen werden, aber
unsere Einbildungskraft nie werden einholen können.
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Technik und Sprache
Monday, 12 October 2015
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